Markierungstypen und -systeme

Fahrbahnmarkierungen werden heute in zwei Kategorien unterteilt:
  • Herkömmliche Markierungen (Typ I) und
  • Markierungen mit verbesserter Nachtsichtbarkeit bei Nässe (Typ II)
Bis zur Mitte der 80er Jahre waren lediglich Fahrbahnmarkierungen der herkömmlichen Art bekannt. Dabei werden die unterschiedlichen Stoffe entweder mit einem Gemisch aus kleinen Glasperlen und Griffigkeitsmittel bestreut (Farben, Plastiken) oder enthalten diese Komponenten bereits werksseitig (Folien u. vorgefertigte thermoplastische Markierungszeichen). Unterschieden werden die Typ-I-Markierungen nach ihren Einsatzgebieten, in denen sich die Beanspruchungen wiederspiegeln:
  • Selten überfahrene Markierungen

    Markierungen, die selten überfahren werden, weisen nur geringe Verschleißerscheinungen auf. Ihre Erneuerung ist deshalb in der Regel nur aus Gründen der Alterung oder wegen zu starker Verschmutzung erforderlich. Es sind Markierungssysteme der Klasse P 4 vorzusehen bei

    • linken Fahrbahnbegrenzungen von mehrbahnigen Straßen
    • Fahrbahnbegrenzungen von einbahnigen Straßen
    • Schrägstrichgattern der Sperrflächen
    • vorübergehend befahrenen Verkehrsflächen.

    Sofern Typ II-Markierungen vorgesehen sind, müssen alle Markierungssysteme mindestens der Verkehrsklasse P 6 entsprechen.

  • Häufig überfahrene Markierungen

    Es sind Farbsysteme der Verkehrsklassen P 5 oder die Markierungsstoffarten der Verkehrsklasse P 6 vorzusehen bei

    • rechten Fahrbahnbegrenzungen von mehrbahnigen Straßen
    • Fahrstreifenbegrenzungen
    • Leitlinien sowie Warnlinien
    • Umrandungen von Sperrflächen.

    Bei Straßen mit einem DTV < 7000 Kfz/24 h können auch Farbsysteme der Verkehrsklasse P 4 vorgesehen werden. Sofern Typ II-Markierungen vorgesehen sind, müssen alle Markierungssysteme mindestens der Verkehrsklasse P 6 entsprechen.

  • Ständig überfahrene Markierungen

    Markierungen, die ständig überfahren werden, unterliegen infolge bremsender und beschleunigender Fahrzeuge starker Beanspruchung. Es sind Markierungssysteme der Verkehrsklasse P 7 vorzusehen bei

    • unterbrochenen Fahrbahnbegrenzungen
    • Quermarkierungen
    • Pfeilen, Buchstaben und Ziffern sowie sonstigen Markierungszeichen.

    Bei Straßen mit einem DTV < 7000 Kfz/24 h können auch Markierungssysteme der Verkehrsklasse P 6 vorgesehen werden.

Ein weiteres Kriterium der Unterscheidung hängt ebenfalls direkt mit der Beanspruchung zusammen und bezieht sich auf die Lage der Markierung in bezug auf den Untergrund: Man unterscheidet hierbei
  • aufgelegte Markierungen und
  • eingelegte Markierungen.
Im Normalfall werden aufgelegte Markierungen verwendet, bei besonders starken Beanspruchungen, wie beispielsweise Quermarkierungen in Knotenpunkten, kommen auch eingelegte Markierungen zum Einsatz. Zur Erstellung einer solchen Markierung wird die Oberfläche der Fahrbahn ausgefräst und die Markierung anschließend eingelegt, so dass sich - im Querschnitt betrachtet - nur ein Teil oberhalb der Fahrbahnoberfläche befindet.

Die Problematik aller dieser Typ-I-Markierungen - insbesondere in bezug auf die Nachtsichtbarkeit bei Nässe - war und ist, dass sich bei Feuchtigkeit oder Regen ein Wasserfilm auf der Markierungsoberfläche ausbildet und dadurch die Retroreflexion extrem herabgesetzt wird. Dieser Nachteil und die damit verbundenen Gefahren für die Verkehrsteilnehmer führten dazu, dass die Industrie die Entwicklung von Systemen mit verbesserter Nachtsichtbarkeit bei Nässe vorantrieb.

Eine Grundidee verbindet alle Typ-II-Systeme: Teile der Markierung sind so ausgebildet, dass sie aus der flachen Oberfläche der Markierung - und somit auch aus dem Wasserfilm - herausragen. Die bei der Typ-I-Markierung spiegelnde Reflexion an der Oberfläche wird dadurch zumindest teilweise vermieden und die Sichtbarkeit damit entscheidend verbessert. Die Typ-II-Systeme können nach dem gegenwärtigen Stand der Technik folgendermaßen klassifiziert werden:
  • Markierungen mit groben Nachstreumitteln (großen Reflexperlen)
  • Profilierte Markierungen
  • Profilierte Markierungen mit zusätzlicher akustischer und/oder haptischer Warnwirkung
  • Markierungen mit stochastisch verteilten Agglomeraten
Aktuell liegt ein besonderer Schwerpunkt im Bereich von Applikationen stochastisch verteilter Agglomerate.